Sie konzentriert sich, spürt in ihren Körper hinein und schließt die Augen. Dann beginnt die fließende Abfolge der Bewegungen – zunächst die Arme vor dem Körper und zu den Seiten, später kommen die Beine hinzu. An einer Stelle irrt sie sich, sammelt sich, um kurz danach wieder einzusteigen – bis die Übung beendet ist. „Wenn man es richtig macht, sieht es aus wie eine tanzende Meditation“, erklärt sie noch leicht außer Atem, aber zufrieden. Es ist die erste Formübung SIU-NIM-TAU, deren sechs Sinnesabschnitte sie studiert.

 

Mehr als nur ein Hobby

Bärbel Hölscher betreibt WingTsun im Stile von Leung Ting seit anderthalb Jahren. Sie ist Mitglied der Europäischen WingTsun-Organisation. Mit der chinesischen Kampfsportart begonnen hat sie, weil ihr Tai Chi und Qi Gong als Herausforderung irgendwann nicht mehr genügten: „Nach der ersten Probestunde war mir klar, das will ich unbedingt weitermachen“. Heute nimmt sie eine Privatstunde bei ihrem Trainer Ben. Zweimal die Woche treffen sie sich, um in Paarübungen die verschiedenen Abfolgen des SIU-NIM-TAU zu trainieren. „Bärbel ist eine sehr fleißige Schülerin. Sie ist zwar ungeduldig mit sich selbst, macht aber gute Fortschritte und hat bereits zwei Schülergrade erreicht“.

 

Reflexintegration und WingTsun

Mit Ben tauscht die professionelle Kinesiologin sich aus – nicht nur über ihre eigenen Kampfsportfähigkeiten, sondern vor allem über ihre Klienten mit nicht zeitgemäß integrierten Reflexen. Ihnen empfiehlt sie WingTsun als Ergänzung zur Reflexintegration. „Ich habe schon viele meiner Klienten zur Körperentwicklung zum WingTsun geschickt. Es geht ihnen einfach besser durch den Sport“, erklärt sie überzeugt. Auch Ben lernt viel von Bärbel: „Sie erkennt anhand einzelner Bewegungen sofort, welcher frühkindliche Reflex noch aktiv ist und warum eine Übung nicht richtig durchgeführt werden kann“, erklärt er.

 

Zwei Disziplinen –ein Ziel

Beim WingTsun geht es immer um zentrale Koordination, um die gefühlte Mitte des Körpers. Diese gilt es zu erspüren. Gleiches ist bei der Reflexintegration der Fall, denn ein Mensch ist nur reflexfrei, wenn er seine Zentrallinie körperlich erspüren kann und entsprechend gerade steht. „Je mehr beim WingTsun gelernt wird, die Körperteile unabhängig voneinander zu bewegen, desto besser können Reflexe integrieren“, bestätigt Bärbel Hölscher. Das gemeinsame Ziel der Reflexintegration und des WingTsun ist die Kombination von fließenden Bewegungen und ökonomischem Krafteinsatz. Diese führt zu mehr Wohlbefinden und Sicherheit.

 

Die Erfindung einer Nonne

Der Legende nach, hat vor ca. 400 Jahren die Nonne Ng Mui den Kampf eines Fuchses gegen einen Kranich beobachtet und daraus einen neuen Kampfstil entwickelt. Diesen brachte sie einem jungen Mädchen namens Wing Tsun bei – daher der Name des Kampfsportes – die sich gegen ihren aufdringlichen Verehrer Wong wehren können sollte. Innerhalb von drei Jahren erlernte Wing Tsun den Kampfstil und besiegte den Schläger Wong.

Prinzipien des WingTsun – übertragbar aufs Leben

  • Was kommt, an dem bleibe dran!
  • Was zurückgeht, das begleite nach Hause!
  • Ist der Weg frei, stoße vor!

20140623_120238 Bärbel Hölscher mit Trainer Ben bei der gemeinsamen Formübung 20140623_120309

Bärbel Hölscher konzentriert sich auf ihre Zentrallinie

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