Frühkindliche Reflexe und Verhaltensweisen

Reflexe sind unbewusste motorische Reaktionen, ausgelöst durch Sinneseindrücke wie Sehen, Hören oder Fühlen, die vorab im Gehirn entsprechend verarbeitet wurden. Ihren neurologischen Ursprung findet man im Kleinhirn und Hirnstamm.

Frühkindliche Reflexe sichern dem Säugling nach der Geburt das Überleben. Werden sie beim Kind jedoch in den ersten zwölf Lebensmonaten nicht richtig integriert, sind die Auswirkungen in motorischen Restreaktionen in jedem Lebensalter beobachtbar. Die zeitgerechte Entwicklung wurde dann nicht sauber abgeschlossen, sodass es immer wieder zu Bewegungsmustern und Reaktionen kommt, die dem Lebensalter  nicht entsprechen. Auch im Erwachsenenalter bedeutet es eine große Kraftanstrengung für den Körper diese zu kontrollieren, womit er ständig überfordert ist. Dann nämlich behindern sie willentlich auszuführende Bewegungen, was sich z.B. in ungeschicktem Verhalten, sportlichem Desinteresse, in unbeholfenen Bewegungsabläufen, geringerer Widerstandsfähigkeit bei Herausforderungen bis hin zu schneller Erschöpfung oder auch Krankheiten äußern kann. Die Reflexe, die hauptsächlich dafür verantwortlich sind, sind der Moro, der ATNR, der TLR, der STNR, die alle Störungen im Gleichgewicht, sowie bei Beugung und Streckung des Körpers verursachen. Sie lösen tonische Muster aus, die beim Kind seinen Kopf nach hinten fallen lassen und Reaktionen erzeugen, die ein physiologisches Bewegungsmuster verhindern.

Was haben frühkindliche Reflexe mit Lerndefiziten oder Verhaltensauffälligkeiten zu tun?

Menschen mit nicht vollständig integrierten frühkindlichen Reflexen haben immer wieder das Gefühl, sie stünden unter permanenter Spannung. „Spannungskopfschmerz“, nächtliches Zähneknirschen, verspannte Schultern, Rückenschmerzen, verdrehte Körperhaltungen beim Stehen, weil es anders zu anstrengend ist, das Gefühl der dauernden Überforderung und die damit möglicherweise einhergehenden Kommunikationsprobleme auf unterschiedlichen Ebenen sind nur einige Symptome, die darauf hindeuten, dass Reflexe noch nicht vollständig integriert sind.

Jedoch hängt die Umsetzung unserer alltäglichen Aufgaben, von der motorischen Bewegung bis hin zur emotionalen und intellektuellen Bewältigung, davon ab, inwieweit die frühkindlichen Reflexe integriert und die Haltungsreflexe entwickelt sind. Das kann aus den Ergebnissen der Hirnforschung abgeleitet werden, die entdeckt hat, dass das Kleinhirn nicht nur alle automatischen Bewegungen regelt, sondern auch die darüber liegenden emotionalen und mentalen Prozesse moduliert. Je besser die frühkindliche Reflextätigkeit bis zum Ende des zweiten Lebensjahres integriert ist, desto mehr Potential haben wir frei für unsere Kreativität und ein entspanntes Leben.

Was können die Folgen von nicht oder ungenügend integrierten frühkindlichen Reflexen sein?

Es kommt häufiger vor, dass einige der frühkindlichen Reflexe nicht genügend integriert worden sind. Muss nun gegen einen noch vorhandenen Reflex immer wieder unbewusst angekämpft werden, kostet dies viel Energie in bewussten Gehirnarealen, die ansonsten für Lernprozesse zur Verfügung stünden. So fällt es bei einem noch aktiven Greifreflex zum Beispiel schwer, einen Stift beim Schreiben locker zu halten. Die Hand verkrampft und ermüdet schnell durch den zu starken Druck.

Kippt die Schrift ab der Mitte der Zeile zur (anderen) Seite oder das Blatt wird zum Schreiben um 90° gedreht, nähert sich der Kopf während des Schreibens immer mehr dem Tisch oder werden die Füße um die Stuhlbeine geschlungen, so sind dies alles Kompensationsstrategien, um mit noch aktiven frühkindlichen Reflexen fertig zu werden. Auch schlechte Körper- und schiefe Kopfhaltung lassen auf noch nicht genügend aktivierte Haltungsreflexe schließen.

Was sind wichtige frühkindlichen Reflexe?

Hier finden Sie eine Auswahl der wichtigsten frühkindlichen Reflexe, die bei sehr vielen Menschen – egal ob Kinder oder Erwachsene – zu beobachten sind.

Bei der Befunderhebung zeigen sich die frühkindlichen Reflexe mit den unterschiedlichsten Symptomen.

Bleiben frühkindliche Reflexe aus den unterschiedlichsten Gründen persistierend, das heißt, sind sie in motorischen Reaktionen auf bestimmte Stimuli noch zu beobachten, so wirken sie sich störend auf unsere Entwicklung aus. Bereits bei Kindern sieht man körperliche Fehlhaltungen, Schwierigkeiten in der Grob-und Feinmotorik, im Gleichgewichtssystem und Konzentrationsstörungen. Dies sind alles Symptome nicht integrierter frühkindlicher Reflexe und führen zu Aufmerksamkeitsschwächen, und daraus resultieren dann Leistungsdefizite. Auch Dinge wie das Ordnungs- und Zeitgefühl können sich nicht ausreichend entwickeln.

Man kann es dann an der schulischen Laufbahn erkennen, wenn Betroffene in ihrer schulischen Leistungsfähigkeit (LRS-Probleme, Dyskalkulie, verminderte Aufnahmefähigkeit, schnelle Ermüdung u.v.m.) Defizite zeigen. Kompensiert wird dies dann durch motorische Unruhe, „Abschalten“ oder Aggressivität in den verschiedensten Ausprägungen.

Aus meiner Praxis-Erfahrung können mit der Technik der Zentrierung, kinesiologischer Arbeit und den BalanceHIRO®-Methode  – Übungen von denen ich immer mehr entdecke, nicht nur Haltungsprobleme, sondern auch, und insbesondere Verhaltensprobleme, wie gerade beschrieben, positiv verändert werden.

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