Reflexintegration

Das Unbewusste nutzen und Potentiale ausschöpfen

Reflexe sind unbewusste motorische Reaktionen, ausgelöst durch Sinneseindrücke wie Sehen, Hören oder Fühlen die vorab im Gehirn entsprechend verarbeitet wurden. Ihren neurologischen Ursprung findet man im Kleinhirn und Hirnstamm. Persistierend, d.h. länger vorhanden, sind sie dann, wenn sie nach der Zeit, in der sie schon längst integriert sein sollten, d.h. nach dem zweiten Lebensjahr, noch beobachtbar sind. Wenn frühkindliche Reflexe, die einem Säugling nach der Geburt das Überleben sichern, noch im Erwachsenenalter vorhanden sind, bedeutet es eine große Kraftanstrengung für den Körper diese zu kontrollieren, womit er ständig überfordert ist. Dann nämlich behindern sie willentlich auszuführende Bewegungen, was sich z.B. in ungeschicktem Verhalten, sportlichem Desinteresse, in unbeholfenen Bewegungsabläufen, geringerer Widerstandsfähigkeit bei Herausforderungen bis hin zu schneller Erschöpfung oder auch Krankheiten äußern kann. Menschen mit nicht vollständig integrierten frühkindlichen Reflexen haben immer wieder das Gefühl, sie stünden unter permanenter Spannung. „Spannungskopfschmerz“, nächtliches Zähneknirschen, verspannte Schultern, Rückenschmerzen, verdrehte Körperhaltungen beim Stehen, weil es anders zu anstrengend ist, das Gefühl der dauernden Überforderung  und die damit möglicherweise einhergehenden Kommunikationsprobleme auf unterschiedlichen Ebenen sind nur einige Symptome, die darauf hindeuten, dass Reflexe noch nicht vollständig integriert sind.

Jedoch hängt die Ausführung all unserer intellektuellen Leistungen davon ab, in wieweit die frühkindlichen Reflexe integriert und die Haltungsreflexe entwickelt sind. Das kann aus den Ergebnissen der Hirnforschung abgeleitet werden, die entdeckt hat, dass das Kleinhirn nicht nur alle automatischen Bewegungen regelt, sondern auch die darüber liegenden emotionalen und mentalen Prozesse moduliert. Je besser die frühkindliche Reflextätigkeit bis zum Ende des zweiten Lebensjahres integriert ist, desto mehr Potential haben wir frei für unsere Kreativität und ein entspanntes Leben.

Es kommt häufiger vor, dass einige der frühkindlichen Reflexe nicht genügend integriert werden. Muss nun ein noch vorhandener Reflex immer wieder kontrolliert werden, kostet dies viel Energie in bewussten Gehirnarealen, die ansonsten für Lernprozesse zur Verfügung stünden. So fällt es bei einem noch aktiven Greifreflex zum Beispiel schwer, einen Stift beim Schreiben locker zu halten. Die Hand verkrampft und ermüdet schnell durch den zu starken Druck.

Kippt die Schrift ab der Mitte der Zeile zur (anderen) Seite oder das Blatt wird zum Schreiben um 90° gedreht, nähert sich der Kopf während des Schreibens immer mehr dem Tisch oder werden die Füße um die Stuhlbeine geschlungen, so sind dies alles Kompensationsstrategien, um mit noch aktiven frühkindlichen Reflexen fertig zu werden.

Auch schlechte Körper- und schiefe Kopfhaltung lassen auf noch nicht genügend aktivierte Haltungsreflexe schließen.