Fidget Spinner für mehr Konzentration

Menschen, die mit ADHS, dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, zu tun haben, fällt es sehr schwer, sich zu fokussieren. Sie können sich nicht oder nur schwer auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren. Auf Außenstehende wirken sie oft zerstreut, nervös oder gar uninteressiert. Die Behandlung von ADHS, im Volksmund auch als „Zappelphilippsyndrom“ bezeichnet, ist oft schwer und langwierig, was dazu führt, dass viele Therapien abgebrochen und als erfolglos verworfen werden. Ein neumodisches „Spielzeug“ verspricht nun mehr Konzentration – nicht nur für Menschen mit ADHS.

Fidget Spinner nicht nur für Hyperaktive
Der Fidget Spinner ist ein kreiselähnliches Fingerspielzeug, welches bereits 1993 von der US-Amerikanerin Catherine A. Hettinger zur Behandlung von Fokussierungsschwächen zum Patent angemeldet wurde. Es soll dabei helfen, Störungen aus dem Umfeld auszublenden und spielerisch eine Vertiefung in die jeweilige Aufgabe zu ermöglichen. Konzentration eben. Der Fidget Spinner wird dazu zwischen Daumen und Zeigefinger oder jedem anderen Finger gehalten und mit der freien Hand in Rotation versetzt. Die außenliegenden Gewichte des Fidget Spinners erzeugen eine Zentrifugalkraft und damit ein sich rasch drehendes Bewegungselement. Diese Bewegung kann durch sanftes Ausbalancieren in die Länge gezogen werden. Nicht nur hyperaktive Menschen vertiefen sich über das Spiel in diese Aufgabe und lernen so, sich besser auf nur eine Herausforderung zu fokussieren.

In manchen Schulen wird das Fingerspielzeug gezielt im Unterricht eingesetzt, um über die Konzentration den Lautstärkepegel zu reduzieren. Die Schüler nehmen den Unterrichtsstoff verstärkt wahr und leiten Nervosität und Bewegungsdrang in den Fidget Spinner, was nebenbei zur Fokussierung führt. So wird aus dem „Zappelphilipp“ – das englische Wort Fidget kann übrigens mit zappeln übersetzt werden – ein fokussierter, aufmerksamer Zuhörer.

Die Reorganisation des Hirnstamms ist möglich
Was steckt dahinter? Um die gute Nachricht vorwegzunehmen: Man kann seinen Körper umerziehen. Die Reorganisation des Hirnstamms ist möglich – genau das passiert bei meinen Übungen zur Reflexintegration – unterstützt durch das Spielen mit dem Fidget Spinner. Einfach genial!

Aber wie funktioniert das? Da der Fidget Spinner die Sensorik im Parietallappen des Cortex, dem Großhirn, anspricht, im sogenannten Brodmann-Areal 1, in welchem Vibration, Lageempfindung, Schmerz und Temperatur wahrgenommen werden, erlebt der Mensch das Spielzeug sehr intensiv. Doch es fördert auch weitere Regionen im Hirn. Im Brodmann-Areal 2 werden tiefensensible Reize, wie Vibration und vestibuläre Stimulation (den Gleichgewichtssinn ansprechend), registriert. Die Bewegungen mit dem Fidget Spinner werden über den primär motorischen Kortex gesteuert und führen so zur Ausbildung neuer Hirnsynapsen, welche dem Gehirn andere Wege aufzeigen und demzufolge dem Übendem mehr Handlungsmöglichkeiten geben. Das in der heutigen Zeit übliche „Dauerfeuerwerk“ aus Eindrücken, Tönen und Bildern kann auf diese Weise entschärft werden. Anwender werden ruhiger, ihre Gewahrsamkeit steigt und somit die Konzentrationsfähigkeit. Die Augen-, Hand- und Ganzkörperbewegungen, welche im Brodmann-Areal 5 abgebildet sind, verbessern sich und werden gestärkt. Durch die Koordination werden im Assoziationskortex neue synaptische Verbindungen hergestellt, die sich in den Basalganglien fortsetzen, dem Bereich, in dem vom Kortex initiierte Bewegungen eingeübt werden. Über die Verbindungen zum Cerebellum, unserem Kleinhirn, wird nach kurzer Zeit das Vestibulocerebellum (verantwortlich für Gleichgewicht, Koordination der Kopf- und Augenbewegungen in Bezug zur Körperbewegung) so gestärkt, dass der Anwender sich auch auf komplexere Aufgaben über längere Zeiträume konzentrieren kann und besser in der Lage ist, sich zu fokussieren. Motorische Funktionen werden gefestigt und im Cerebellum abgespeichert. Als automatisierte Bewegungsabläufe gehen sie in Exekutivfunktionen über. Oder anders ausgedrückt: Vom motorischen Kortex initiierte Bewegungen werden ohne Nachzudenken einfach ausgeführt. So kann ein Mensch beispielsweise Klavier spielen und sich dabei unterhalten. Grund: Wenn der Körper eine Bewegung 1.500 Mal wiederholt hat, kennt er sie auswendig und muss keine cortikalen Kapazitäten mehr darauf verwenden, die Ausführung dieser Bewegung zu kontrollieren. Sie sitzen dann einfach „blind“.

Drei Methoden zur Reflexintegration
Der Fidget Spinner, welcher meiner Meinung nach, auch sehr gut „Fit Jet Spinner“ heißen könnte, da die oben beschriebenen Impulse auch den Hirnstamm erreichen können, bietet somit eine tolle alternative Methode zur Behandlung von hyperaktiven oder wenig fokussierten Menschen. Denn gezielt ausgeführte Bewegungen, die auch noch Spass machen, sind in der Lage, noch aktive Frühkindliche Reflexe nachträglich integrieren zu lassen. Die Reorganisation des Hirnstamms ist möglich – genau das passiert bei meinen Übungen zur Reflexintegration. In meiner Arbeit setze ich dafür drei Methoden ein: Die Neuroenergetische®Kinesiologie, Somatic Experiencing® und Balance Hiro® und spielerisch unterstützt durch den Einsatz des Fidget Spinner – vielleicht eine Motivation für Kinder mit ADHS.