Author Archives: Bärbel Hölscher

Fidget Spinner für mehr Konzentration

Menschen, die mit ADHS, dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, zu tun haben, fällt es sehr schwer, sich zu fokussieren. Sie können sich nicht oder nur schwer auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren. Auf Außenstehende wirken sie oft zerstreut, nervös oder gar uninteressiert. Die Behandlung von ADHS, im Volksmund auch als „Zappelphilippsyndrom“ bezeichnet, ist oft schwer und langwierig, was dazu führt, dass viele Therapien abgebrochen und als erfolglos verworfen werden. Ein neumodisches „Spielzeug“ verspricht nun mehr Konzentration – nicht nur für Menschen mit ADHS.

Fidget Spinner nicht nur für Hyperaktive
Der Fidget Spinner ist ein kreiselähnliches Fingerspielzeug, welches bereits 1993 von der US-Amerikanerin Catherine A. Hettinger zur Behandlung von Fokussierungsschwächen zum Patent angemeldet wurde. Es soll dabei helfen, Störungen aus dem Umfeld auszublenden und spielerisch eine Vertiefung in die jeweilige Aufgabe zu ermöglichen. Konzentration eben. Der Fidget Spinner wird dazu zwischen Daumen und Zeigefinger oder jedem anderen Finger gehalten und mit der freien Hand in Rotation versetzt. Die außenliegenden Gewichte des Fidget Spinners erzeugen eine Zentrifugalkraft und damit ein sich rasch drehendes Bewegungselement. Diese Bewegung kann durch sanftes Ausbalancieren in die Länge gezogen werden. Nicht nur hyperaktive Menschen vertiefen sich über das Spiel in diese Aufgabe und lernen so, sich besser auf nur eine Herausforderung zu fokussieren.

In manchen Schulen wird das Fingerspielzeug gezielt im Unterricht eingesetzt, um über die Konzentration den Lautstärkepegel zu reduzieren. Die Schüler nehmen den Unterrichtsstoff verstärkt wahr und leiten Nervosität und Bewegungsdrang in den Fidget Spinner, was nebenbei zur Fokussierung führt. So wird aus dem „Zappelphilipp“ – das englische Wort Fidget kann übrigens mit zappeln übersetzt werden – ein fokussierter, aufmerksamer Zuhörer.

Die Reorganisation des Hirnstamms ist möglich
Was steckt dahinter? Um die gute Nachricht vorwegzunehmen: Man kann seinen Körper umerziehen. Die Reorganisation des Hirnstamms ist möglich – genau das passiert bei meinen Übungen zur Reflexintegration – unterstützt durch das Spielen mit dem Fidget Spinner. Einfach genial!

Aber wie funktioniert das? Da der Fidget Spinner die Sensorik im Parietallappen des Cortex, dem Großhirn, anspricht, im sogenannten Brodmann-Areal 1, in welchem Vibration, Lageempfindung, Schmerz und Temperatur wahrgenommen werden, erlebt der Mensch das Spielzeug sehr intensiv. Doch es fördert auch weitere Regionen im Hirn. Im Brodmann-Areal 2 werden tiefensensible Reize, wie Vibration und vestibuläre Stimulation (den Gleichgewichtssinn ansprechend), registriert. Die Bewegungen mit dem Fidget Spinner werden über den primär motorischen Kortex gesteuert und führen so zur Ausbildung neuer Hirnsynapsen, welche dem Gehirn andere Wege aufzeigen und demzufolge dem Übendem mehr Handlungsmöglichkeiten geben. Das in der heutigen Zeit übliche „Dauerfeuerwerk“ aus Eindrücken, Tönen und Bildern kann auf diese Weise entschärft werden. Anwender werden ruhiger, ihre Gewahrsamkeit steigt und somit die Konzentrationsfähigkeit. Die Augen-, Hand- und Ganzkörperbewegungen, welche im Brodmann-Areal 5 abgebildet sind, verbessern sich und werden gestärkt. Durch die Koordination werden im Assoziationskortex neue synaptische Verbindungen hergestellt, die sich in den Basalganglien fortsetzen, dem Bereich, in dem vom Kortex initiierte Bewegungen eingeübt werden. Über die Verbindungen zum Cerebellum, unserem Kleinhirn, wird nach kurzer Zeit das Vestibulocerebellum (verantwortlich für Gleichgewicht, Koordination der Kopf- und Augenbewegungen in Bezug zur Körperbewegung) so gestärkt, dass der Anwender sich auch auf komplexere Aufgaben über längere Zeiträume konzentrieren kann und besser in der Lage ist, sich zu fokussieren. Motorische Funktionen werden gefestigt und im Cerebellum abgespeichert. Als automatisierte Bewegungsabläufe gehen sie in Exekutivfunktionen über. Oder anders ausgedrückt: Vom motorischen Kortex initiierte Bewegungen werden ohne Nachzudenken einfach ausgeführt. So kann ein Mensch beispielsweise Klavier spielen und sich dabei unterhalten. Grund: Wenn der Körper eine Bewegung 1.500 Mal wiederholt hat, kennt er sie auswendig und muss keine cortikalen Kapazitäten mehr darauf verwenden, die Ausführung dieser Bewegung zu kontrollieren. Sie sitzen dann einfach „blind“.

Drei Methoden zur Reflexintegration
Der Fidget Spinner, welcher meiner Meinung nach, auch sehr gut „Fit Jet Spinner“ heißen könnte, da die oben beschriebenen Impulse auch den Hirnstamm erreichen können, bietet somit eine tolle alternative Methode zur Behandlung von hyperaktiven oder wenig fokussierten Menschen. Denn gezielt ausgeführte Bewegungen, die auch noch Spass machen, sind in der Lage, noch aktive Frühkindliche Reflexe nachträglich integrieren zu lassen. Die Reorganisation des Hirnstamms ist möglich – genau das passiert bei meinen Übungen zur Reflexintegration. In meiner Arbeit setze ich dafür drei Methoden ein: Die Neuroenergetische®Kinesiologie, Somatic Experiencing® und Balance Hiro® und spielerisch unterstützt durch den Einsatz des Fidget Spinner – vielleicht eine Motivation für Kinder mit ADHS.

Was nicht integrierte Reflexe im Schlaf machen

Das Gefühl, nicht ausreichend geschlafen zu haben, kennt vermutlich fast jeder. Man fühlt sich erschöpft, wie gerädert und muss sich beim Aufwachen erst einmal recken und strecken. Bei manchen geht es soweit, dass die Füße schmerzen und sich die Gelenke anfühlen wie „ein rostiges Scharnier“! Durch die Übermüdung ist die Konzentration den ganzen Tag über beeinträchtigt und nicht wenige leiden unter Unsicherheit, Stimmungsschwankungen, Heißhungerattacken oder anderen gravierenden Beeinträchtigungen des Wohlbefindens. Gerade im Straßenverkehr kann Übermüdung gefährlich werden.

Wer über einen längeren Zeitraum an Schlafstörungen leidet, entwickelt ein höheres Risiko für Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Obwohl Müdigkeit die Lebensqualität stark einschränkt, und die Langzeitfolgen bekannt sind, fällt es oft schwer, genügend zu schlafen. Die möglichen Ursachen hierfür sind vielfältig. Lebensumstände wie Schichtarbeit, Überstunden, seelische Belastungen; nicht selten jedoch und insbesondere bei augenscheinlich „gesunden“ Menschen beeinträchtigen nicht integrierte Frühkindliche Reflexe den Schlaf und in der Folge das ganze tägliche Leben.

Im Schlaf zeigt sich bei Menschen der jeweils angenommene „normale“ Haltetonus, also die „natürliche“ Muskelspannung. Diese ist jedoch nicht immer gesundheitsdienlich – und zwar je nach Art und Ausprägung nicht integrierter Reflexe:

Schlafstellungen bei nicht integrierten Reflexen:
Embryostellung – Moro-Reflex
Zähneknirschen – Babkin-Reflex
Angewinkelte Arme – Klimmzug-Reflex
Gefaustete Hände – Greif-Reflex
Hohlkreuz – Tonischer Labyrinth-Reflex
Überstreckter Kopf – Tonischer Labyrinth-Reflex
Bauchlage mit angezogenen Armen – Tonischer Labyrinth-/Furchtlähmungs-Reflex
Viele Kissen unter dem Kopf benötigend – Symmetrischer Tonischer Nacken-Reflex

All diese Schlafstellungen und Körperhaltungen verhindern ein wirkliches Entspannen. Besonders einschränkend wirkt der Tonische Labyrinth Reflex. Er gilt als der „anstrengendste“ nicht integrierte Reflex, da er neurologisch für die Muskelspannung zuständig ist, die die Betroffenen körperlich und in der Folge auch seelisch anstrengt. Schon seit über 20 Jahren wissen Mediziner, dass die Körperhaltung Einfluss nimmt auf unsere mentale Gesundheit. Beispielsweise ist die Embryostellung als Haltung von Depressiven bekannt. Wer stets diese Position einnimmt, verinnerlicht über kurz oder lang eine depressive emotionale Einstellung.

Übungen für entspannte Körperhaltung – auch im Schlaf
Wenn Sie eine der oben erläuterten Schlafpositionen bei sich feststellen oder sich morgens nicht ausgeruht fühlen, können Sie dem mit speziellen Übungen gegenwirken. Übungen, um nicht integrierte Reflexe nachträglich zu integrieren und den Körper zu jeder Tageszeit in eine entspannte, zentrierte Körperhaltung zu bringen, vermittle ich in meinem Kurs „Kraftvoll! Reflexe prägen das Leben“. Zudem zeige ich direkt, welche Schlafposition vollkommen reflexfrei ist, so dass sich der Muskeltonus im Laufe der Zeit entspannen kann. Es erfordert nur ein wenig Übung! Alle Kurstermine und weitere Informationen finden Sie hier:
http://kinesiologie-muenster.de/category/termine/

Erholsamer Schlaf, wie er sein soll
Wenn man die körperlichen und geistigen Prozesse betrachtet, die während des Schlafes ablaufen, wird deutlich, weshalb der Schlaf so wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden ist. REM- (Rapid Eye Movement) und Tiefschlafphasen wechseln sich in etwa 90-minütigen Abständen ab.

Nach dem Einschlafen fallen Menschen zunächst in den Tiefschlaf. In dieser Phase schüttet der Körper Wachstumshormone aus, um zu regenerieren. Das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren und sucht im Körper nach Krankheitserregern, um sie zu bekämpfen.

Die erste REM-Phase folgt nach etwa einer Stunde. Die Bezeichnung rührt daher, dass sich die Augen während dieser Zeit schnell hin und her bewegen. Die genaue Funktion der REM-Phase ist noch nicht hinlänglich geklärt. Viele Forscher gehen jedoch davon aus, dass wir in dieser Phase Erlebtes verarbeiten und Informationen im Langzeitgedächtnis speichern. Zudem haben Forscher festgestellt, dass Menschen, die aus dem REM-Schlaf geweckt wurden, häufiger von Träumen berichteten als diejenigen, die aus anderen Schlafphasen geweckt wurden.

Während im Tiefschlaf Puls, Atemfrequenz und Blutdruck sinken, steigen sie in der REM-Phase wieder an. Die Muskelaktivität ist während beider Phasen ausgeschaltet, kann aber bei Schlafwandlern aktiviert werden.

Tendenziell benötigen junge Menschen mehr Schlaf als ältere. So sollten Neugeborene etwa 14 bis 17 Stunden täglich schlafen, Jugendliche acht bis zehn Stunden, Senioren nur noch sieben bis acht Stunden. Diese Zahlen dienen lediglich als Richtwerte. Manche Menschen fühlen sich schon nach kürzerer Zeit erholt, andere brauchen etwas mehr Schlaf.

Tag des Schlafes am 21. Juni
Um die Bedeutung des Schlafes zu erinnern, hat der Verein „Tag des Schlafes e.V.“ einen Gedenktag ins Leben gerufen. Der Tag des Schlafes wird seit dem Jahr 2000 stets am 21. Juni begangen, dem längsten Tag und somit der kürzesten Nacht im Jahr. Alle Kurstermine und weitere Informationen finden Sie hier:
http://kinesiologie-muenster.de/category/termine/

In Balance – Wie der Muskeltonus Wahrnehmung und Kommunikation steuert. Und wie wir unseren Körper zentrieren können

Ich freue mich sehr, dass ich einen Artikel für Praxis Kommunikation 1/2017 schreiben durfte. Hier können Sie sich meinen Beitrag als PDF herunterladen.
Viel Vergnügen beim Lesen. Gerne können Sie mir Ihr Feedback im Gästebuch oder per E-Mail an info@kinesiologie-muenster.de mitteilen.
Ihre Bärbel Hölscher

Gähnen als Entspannungstechnik

Gähnen genießt in unserer Gesellschaft keinen guten Ruf. Wer gähnt, wird als unausgeschlafen, gelangweilt oder gar unhöflich wahrgenommen. Doch dieser Reflex ist völlig zu Unrecht verpönt. In Sprachtherapien und im Gesangsunterricht macht man sich das Gähnen schon lange zunutze, um Leistungsangst und Hypertonus (zu hohe Spannung) im Rachenbereich zu reduzieren. Als Meditationstechnik ist Gähnen noch nicht so verbreitet. Dabei ist dem US-amerikanischen Hirnforscher Andrew Newberg zufolge Gähnen so ziemlich das Beste, was wir für unser Gehirn tun können.

Bekanntermaßen tritt Gähnen verstärkt bei Müdigkeit auf. Auch durch starke Beleuchtung kann es ausgelöst werden, was nahe legt, dass Gähnen am Aufwachprozess beteiligt ist. Es soll dabei helfen, die Schläfrigkeit zu vertreiben und wach zu bleiben, indem es die Temperatur und den Stoffwechsel des Gehirns reguliert. Man könnte es somit als „Lüften“ des Kopfes bezeichnen. Darüber hinaus wird beim Gähnen der Precuneus aktiviert, der einigen Studien zufolge eine wichtige Rolle für das Bewusstsein, die Erinnerung und die Selbstreflexion spielt. Bei altersbedingten Erkrankungen und Aufmerksamkeitsdefiziten ist dieser Teil des Gehirns mit am stärksten betroffen. Gähnen kann die Funktion des Precuneus positiv beeinflussen.

Es wird angenommen, dass Gähnen soziale Wahrnehmung, Mitgefühl und Kommunikation fördern kann. Diese Fertigkeiten werden durch das Spiegelneuronen-System beeinflusst, das in Verbindung mit oben genanntem Precuneus steht. Wenn man bedenkt, dass Gähnen ansteckend ist, ist es nicht abwegig, es als primitive Form der Empathie zu betrachten. Newberg berichtet sogar von gelungener Streitschlichtung durch Gähnen, was durch die Harmonie stiftende Funktion des Reflexes erklärt werden kann.

Biochemisch betrachtet sind am Gähnen eine Reihe von Neurotransmittern beteiligt (unter anderem Dopamin, Serotonin und körpereigene Opioide), die unser Wohlbefinden, unsere Sinnesfreude und das zwischenmenschliche Verhalten regulieren.

Die positiven Effekte des Gähnens sollten uns ermutigen, das Gähnen nicht nur zuzulassen, sondern bewusst als Entspannungstechnik einzusetzen. Gähnen Sie nicht nur, wenn Sie müde sind, sondern auch dann, wenn Sie Gefühle wie Anspannung, Angst, Wut oder Stress wahrnehmen. Versuchen Sie, sich vor einem wichtigen Gespräch oder einer Prüfung durch Gähnen zu entspannen. Sogar bei einem Jetlag kann Gähnen dabei behilflich sein, die innere Uhr wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Es klappt nicht? Oft kostet es nur ein wenig Überwindung. Nach fünf, sechs Versuchen, ein Gähnen zu imitieren, sollte sich ein echtes Gähnen entwickeln. An der Stelle darf gerne weitergemacht werden. Sollten die Augen zu tränen oder die Nase zu laufen beginnen, so ist das kein schlechtes Zeichen. Im Vordergrund stehen die positiven Gefühle der Präsenz, Entspannung und Wachheit, die durch das Gähnen schneller als mit jeder anderen Entspannungstechnik erreicht werden können.

Übrigens: Erst kürzlich haben Forscher um Andrew Gallup einen Zusammenhang zwischen der Dauer des Gähnens und der Komplexität des Gehirns festgestellt. So gähnen Menschen mit ihren durchschnittlich 11,5 Milliarden Nervenzellen in der Großhirnrinde 6,5 Sekunden lang, Mäuse bei 4 Millionen kortikalen Nervenzellen weniger als eine Sekunde. Auch Tiere, die größer sind als der Mensch, gähnen weniger lange, weil ihre Gehirne nicht so komplex sind. Für ein ausgiebiges Gähnen muss sich also niemand schämen.

Buchrezension: Bärbel Hölscher, Kraftvoll! Reflexe prägen das Leben

Bärbel Hölscher, Kraftvoll! Reflexe prägen das Leben
Books on Demand 2012, Norderstedt, ISBN: 9783848204960, Preis: 24,20 €, 135 Seiten

Die Kinesiologin Bärbel Hölscher, die in Münster eine eigene Praxis betreibt, hat vor bereits 2 Jahren in Eigenregie ein Buch zu frühkindlichen Reflexen herausgebracht. Das Buch ist reich illustriert, um eine besonders visuelle Vorstellung der Reflexe geben zu können. In den entsprechenden Kursen wird in Übungen der Frage nachgespürt, welche Reflexe im frühkindlichen oder sogar im Säuglingsalter nicht integriert werden konnten. Was heißt das? Zur vollständig unbelastenden Bewegung, also eine bis ins Erwachsenenalter integrierte Reaktionsmöglichkeit auf Reize, ist es erforderlich, dass die Reflexbewegungen, die bereits im Uterus eingeübt werden, entsprechend ausgebildet und integriert werden, und wenn dies nicht geschieht, wird zusätzliche Energie durch den nicht reibungslosen Ablauf in Anspruch genommen. Neuronale Prozesse werden verzögert und können zu Aufmerksamkeitsdefiziten führen.

„Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass sich diese Kompensationsmuster auswachsen, dass also die Restreaktionen nicht integrierter Reflexe verschwinden. Sie bleiben im Gegenteil bis zum Ende des Lebens bestehen, wenn man nicht gezielt etwas dagegen tut. Zeigt zum Beispiel der Moro-Reflex, der bei der Geburt eines Menschen vollständig vorhanden ist und bis zum 4. Monat integriert sein sollte, noch Restreaktionen, so befindet sich dieser Mensch später immer wieder in einer Abwehrhaltung, ist häufig überreizt, neue Herausforderungen machen ihm Angst, und seine Konzentrationsdauer ist eingeschränkt. Ein solcher Mensch hat innerlich das Gefühl, ständig unter Spannung zu stehen und weiß nicht warum.“ (S. 15)

Bärbel Hölscher führt in die Thematik über die Hirnforschung ein und macht deutlich, welche Auswirkungen nichtintegrierte Reflexe haben können. Wenn im Schulalter Kinder Probleme mit der Aufmerksamkeit oder beim Lernen haben, so lässt sich das unter anderem auf einen nichtintegrierten Reflex zurückführen. Die einzelnen Reflexe werden tabellarisch vorgestellt, jeweils mit einer passenden Illustration versehen. Das Buch von Hölscher ist zur Anwendung gedacht: Hebammen, Kinderärzte und –ärztinnen, Krankenhauspersonal, aber auch Physiotherapeuten und selbstverständlich Kinesiologen können sich anhand des Buchs einen eigenen Überblick zum Problemfeld machen. Nach eingehender Lektüre wird die eigene Wahrnehmung geschult – man geht auf der Straße nicht mehr einfach so an Menschen mit ungewöhnlicher Haltung vorbei.

Betrachtet man das von Hölscher medizinisch und heilpädagogisch angesprochene Thema von einer kulturhistorischen Perspektive, werden möglicherweise Haltungen, die in der Populärkultur als schick und cool gelten zu nichtintegrierten Reflexen aus der frühen Kindheit. In der Pubertät verstärken sich die nichtintegrierten Reflexe und der gesamte kinesiologische Effekt, der zu Verspannung führt, wird ignoriert. Bärbel Hölscher kanalisiert in vorliegendem Buch ihre eigenen Erkenntnisse aus der Praxis. Die Überlegung, besonders früh mit der Integration des Körpers in gesunde Bewegungsabläufe zu beginnen, prägt das Buch und empfiehlt es zugleich. Es wäre eine Fortsetzung für das fortgeschrittene Alter zu wünschen, wie sich der einmal begonnene Rhythmus vervielfältigt und psychische wie auch physische Beeinträchtigungen nach sich zieht.

Dominik Irtenkauf

aus Tattva Viveka – Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur
Ausgabe 68, August 2016, 23. Jahrgang, Seite 86
www.tattva.de

Buchrezension: Bärbel Hölscher, Kraftvoll! Reflexe prägen das Leben

Bärbel Hölscher, Kraftvoll! Reflexe prägen das Leben
Books on Demand 2012, Norderstedt, ISBN: 9783848204960, Preis: 24,20 €, 135 Seiten

In den ersten Kapiteln gibt die Autorin einen kurzen Überblick über die motorische Entwicklung im ersten Lebensjahr und über den Aufbau des menschlichen Gehirns. Den Schwerpunkt des Buches bilden die Beschreibungen der einzelnen Reflexe, geordnet nach ihrem zeitlichen Ablauf, also von der 5.-7. Schwangerschaftswoche bis zum 9.-10. Monat. Zu jedem der auch grafisch dargestellten 25 Reflexe werden Entstehung, Dauer, Transformation bzw. Integration und Auslöser aufgeführt und zusätzliche Erläuterungen sowie die Auffälligkeiten angegeben, die bei nicht abgeschlossener Entwicklung auftreten können.

Dann postuliert die Autorin einen Zusammenhang dieser unvollständig integrierten Reflexe mit Lernproblemen und Verhaltensauffälligkeiten. Um eine nachträgliche Integration – und damit eine Abschwächung der o.°a. Auffälligkeit – zu erreichen, werden sog. Hirnstammkoordinationsübungen® empfohlen, die Anleitung dazu ist mit Schwarzweißfotos versehen. Zum Schluss wird ein Zusammenhang zwischen den 4 Geburtsphasen und dem späteren Lernverhalten hergestellt. Eine alphabetische Zuordnung einzelner Merkmale – z.°B. Lesen, Stimmungsschwankungen – zu den jeweils beteiligten Reflexen sowie ein Literaturverzeichnis runden das kleine Werk ab.

Das Werk zeigt Kompetenz und ist übersichtlich, gut verständlich, ansprechend ausgestattet – rundum gelungen, eine wichtige Anregung besonders für diejenigen, die sich mit Bewegungsabläufen beschäftigen und Verhaltensweisen auf den Grund gehen möchten. Für die Sehtrainer und Sehtherapeuten dürften insbesondere die Reflexe interessant sein, die einen Bezug zum Sehen haben, also laut der alphabetischen Zuordnung konkret: Augen-Hand- und Hand-Augen- Koordination, Pupillen – erweitert, Sehfähigkeit, Sehfeld, visuelle Wahrnehmung.

Mechthild Petersen

aus “Augenblick” – Zeitschrift für Gesundes Sehen
Hrsg vom Verein für Gesundes Sehen e.V.
Heft 20 2-2016 ISSN 2191-6284
www.verein-gesundes-sehen.de

Oxytocin bei der Geburt – Psychische Folgen bis hin zu Autismus?

Bereits seit den 60er Jahren wird das körpereigene Hormon Oxytocin in synthetischer Form als Pitucin zur Wehenförderung eingesetzt. Dieses synthetische Oxytocin ist aufgrund seiner Langzeitfolgen aber sehr umstritten und könnte, wenn die vielen Studien in dieser Richtung recht behalten, verheerende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben. Denn: Es gibt Zusammenhänge zwischen der Zugabe von synthetischem Oxytocin bei der Geburt und späteren psychischen Schäden. Jetzt ist sogar von Autismus die Rede. Und immer mehr Geburten werden unter dem Einsatz von Oxytocin durchgeführt. Das bedeutet, dass wir es mit einem ernsthaften Problem für unsere Wirtschaft zu tun haben.

Schnelle Geburt
Bei einem natürlichen Ablauf leitet das Baby selbst die Geburt ein, weil schlicht und einfach die Placenta nicht mehr genügend Nährstoffe hat, und das Baby eine andere “Nahrungsquelle” braucht. Wenn allerdings die Mutter Oxytocin verabreicht bekommt und daraufhin die Wehen losgehen, erreicht das Oxytocin über die Nabelschnur auch das Kind und verhindert so seine natürliche Zusammenarbeit mit der Mutter. Die Folge ist ein Trauma, denn ein physiologischer Prozess kann nicht in “seiner Zeit” zu Ende gebracht werden. Oxytocin heißt übersetzt aus dem Griechischen sogar „schnelle Geburt“, was es wortwörtlich trifft. Wie beim Kaiserschnitt erlebt das Baby während der Geburt das Gefühl des „nicht fertig Werdens“ (siehe Blogbeitrag „Nicht fertig werden). Diese Erfahrung scheint eine bedeutende Wirkung auf die menschliche Psyche zu haben, wie Studien belegen. So wird die gießkannenmäßige Verabreichung von Oxytocin als die Basis vieler neuropsychiatrischer Krankheiten, insbesondere im Bereich des Autismus, angesehen (vgl. McCarthy M M und Altemus D M, 1997).

Bonding wiederbeleben
Mangelndes Vertrauen in sich selbst und andere, Aggressionen, Bindungsängste – nur einige der Spätfolgen, die das ganze Leben dieser Kinder beeinträchtigen, auch noch als Heranwachsende und Erwachsene. Dabei wäre es so einfach: Zurück zur natürlichen Geburt und einer gesunden Etablierung des lebenswichtigen Bondings nach der Geburt. Diese wichtige Mutter-Kind-Interaktion muss unbedingt wieder stärker gefördert und von allen an einer Geburt Beteiligten gefordert werden. Bis das synthetische Oxytocin wieder auf dem Rückzug aus den Kreißsäälen dieser Welt ist, bleibt mir nur, aufzuklären und mit den traumatisierten Kindern zu arbeiten.

Quelle: Hormone, Neurotransmitter von HP Ariane Lorenz-Zappe in Kooperation mit Dr.med.D. Klinghardt, erschienen im INK Institut für Neurobiologie

Traumata – lebendige Erinnerung

Als psychisches, seelisches oder mentales Trauma wird in der Psychologie eine seelische Verletzung oder Wunde bezeichnet. Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet und kann sowohl das auslösende Ereignis selbst, aber auch die Symptome sowie das hervorgerufene, manchmal ein Leben lang andauernde, innere Leiden eines Menschen bezeichnen. Oder wie ich es in Anlehnung an Peter Levine sage: Trauma ist nichts anderes als Spannung, die nicht abgebaut werden kann. Es handelt sich um einen nicht zeitgemäß beendeten Prozess im Hirnstamm. Und hier kommt der für meine Arbeit wichtige Bezug zu den Reflexen bzw. zur notwendigen Reflexintegration. Denn der neurologische Ursprung der Reflexe liegt im Hirnstamm. Es gibt Methoden, die nicht zeitgemäß stattgefundene und beendete Prozesse nachträglich stattfinden lassen und so Traumata auflösen können.

Die somatische Traumatologie ermöglicht ein neues Verständnis von Trauma. Sie berücksichtigt die kritische Interaktion und die wechselseitige Abhängigkeit von autonomen Körperantworten und neurologischen Prozessen. Denn: Jedes Trauma, ob körperlicher, kognitiver, emotionaler und/oder zwischenmenschlicher Natur, findet seinen Niederschlag in körperlichen Prozessen und wird durch diese aufrecht erhalten.

Wichtig dabei: Um an einem Trauma zu leiden, muss der Betroffene es gar nicht selbst erlebt haben. Bestimmte Erfahrungen können so prägend sein, dass sie sich dauerhaft in unserem Erbgut festsetzen und so an die folgende Generation weitergegeben werden. Epigenetik bezeichnet den Vorgang, wenn eine erworbene Eigenschaft bei Mutter und/oder Vater beim gemeinsamen Nachwuchs zu einer angeborenen Eigenschaft wird. Wichtig zu unterscheiden sind bei „vererbten Traumata“ zwei Situationen: Zum einen kann ein ungeborenes Kind den Stresshormonen seiner schwangeren Mutter, z. B. während der Geburt, direkt ausgesetzt sein und dadurch ein Trauma erfahren. Wenn ein Kind allerdings die gleichen stressbedingten epigenetischen Muster aufweist wie seine Eltern, obwohl es erst gezeugt wurde, nachdem die Eltern das Trauma selbst erlebt hatten, spricht man von epigenetischer Vererbung.

Eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS genannt, ist eine Langzeitfolge eines Traumas: Die Psyche reagiert mit einer gewissen Verzögerung auf eine belastende Situation, etwa Kriegs- oder Katastrophenerlebnisse. Oft genügt schon ein Duft, eine Farbe oder eine bestimmte Situation – und die Betroffenen erleben ihre persönlichen Schreckensmomente erneut. Eine nicht behandelte PTBS führt früher oder später zu Problemen im Privatleben ebenso wie im Berufsleben. Oft wissen die Betroffenen gar nicht, warum sie sich so schlecht konzentrieren können, keine Entscheidungen treffen wollen und nichts zu Ende bringen.

„TRE®“ heißt eine erfolgreiche Kurztherapie von David Berceli – TRE®-Tension & Trauma Releasing Exercises. Diese wird bei aus Kriegseinsätzen zurückkehrenden Soldaten direkt auf dem Rollfeld angewandt und lässt die zu erwartende Traumaquote um mehr als 80 Prozent zurückgehen. Die von Berceli entwickelte TRE®-Übungsserie zielt auf die dem Organismus innewohnenden Lösungsmöglichkeiten muskulärer und geweblicher Verspannungen ab, die in Stress und jeglicher Form von Trauma eine zentrale Rolle spielen.

In meinem Kurs „Kraftvoll! Reflexe prägen das Leben“ zeige ich Übungen, die nicht zeitgemäß abgelaufene und beendete Prozesse nachträglich stattfinden lassen und dadurch Traumata auflösen können.

Wie der Kaiserschnitt unsere Wirtschaft verändert

In meinem Blogbeitrag „Nicht fertig werden“ habe ich bereits angedeutet, welche schwerwiegenden Folgen ein Kaiserschnitt auf den so zur Welt gebrachten Menschen haben kann:

„Viel schlimmer jedoch sind die psychischen Spätfolgen, an denen Kaiserschnitt-Kinder das ganze Leben leiden können. Allen voran ist hier die zeitlich verzögerte Mutter-Kind-Interaktion zu nennen. Bei einem Kaiserschnitt wird das Kind der Mutter abrupt ‚entrissen’ – die Geburt wird quasi nicht, wie ursprünglich vorgesehen, fertig. Dieses ‚nicht fertig werden’ zieht sich bei diesen Kindern durch das ganze Leben. Sie können keine Entscheidungen treffen. Warum auch, wenn ihren schon die allererste Entscheidung ihres Lebens abgenommen wurde. Im späteren Leben leiden diese Menschen oft an Depressionen. Sie sind und werden mit ihrem Leben einfach ‚nicht fertig’.“

Eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, ein schlechtes Kurz- und Langzeitgedächtnis, allgemein verlangsamte Denkprozesse, eine stark beeinträchtigte Organisationsfähigkeit sowie Ängste, Phobien, emotionale Labilität oder Extreme wie Hyperaktivität, ADS und ADHS sind nur einige der möglichen Folgen, die Kaiserschnitt-Kinder im späteren Leben nachhaltig beeinflussen.

In diesem Artikel möchte ich betonen, dass das Verhalten von Kaiserschnitt-Kindern großen Einfluss auf ihre Umwelt hat. Auch Partner, Familie, Freunde und nicht zuletzt der Arbeitgeber und Teamkollegen leiden unter den bei Kaiserschnitt-Kindern auffälligen Verhaltensmustern. Ja, ich bin mir sicher, dass die zunehmende Rate an Kaiserschnitt-Geburten Auswirkungen auf unsere Wirtschaft hat (auch, wenn mir dies belegende Studien aktuell nicht bekannt sind). In Gesprächen mit Unternehmern wird mir immer wieder geschildert, wie schwierig es sei, Auszubildende zu finden, die eine Ausbildung durchhalten und diese an das Unternehmen zu binden. Mir bekannte Sportlehrer sind fassungslos, dass Kinder einfachste Übungen im Sportunterricht nicht durchführen können. In den meisten Fällen stellte sich heraus, dass es sich um Kaiserschnitt-Kinder handelte.

Ein Kaiserschnitt stellt für die so zur Welt gebrachten Kinder ein Trauma dar. Wird es nicht behandelt, leidet nicht nur der Mensch, sondern langfristig auch die Gesellschaft und ihre Wirtschaft. Schließlich werden immer mehr Menschen per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Doch was bedeutet das für unsere Wirtschaft?

Der amerikanische Psychologe und Biologe Dr. Peter A. Levine gilt als führender Fachmann im Bereich der somatisch ausgerichteten Traumalehre. Für ihn sind traumatisierte Menschen schlicht nicht arbeitsfähig. Er sagt: „Ein Trauma unterdrückt die Entfaltung des Lebens. Es unterbricht die Verbindung zu uns selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und zu unserer geistigen Quelle.“

Menschen, die sich schwer bis gar nicht konzentrieren können und verlangsamte Denkprozesse haben, lernen weniger erfolgreich. Die Folge: Weniger gut ausgebildetes Personal für den Arbeitsmarkt steht zur Verfügung. Wer mit nichts fertig wird und ungern Entscheidungen trifft, wird auch keine gute Führungskraft werden. Die Folge: Weniger Entscheider, Manager, Unternehmer in der Wirtschaft.

Fazit: Für eine gesunde und erfolgreiche Wirtschaft braucht es gesunde und erfolgreiche Menschen. Ich plädiere daher für Aufklärung, damit wir unsere Kinder nicht mit einem vermeidbaren Trauma auf die Welt bringen, an dessen Folgen wir alle leiden und unsere Gesellschaft so systematisch schwächen.

Bärbel Hölscher Kinesiologin im Interview

Neuroenergetische Kinesiologie
Wie Reflexe unser Leben Prägen & wie wir sie selbst verändern können

Was hat Sie dazu bewegt Ihren heutigen Beruf zu ergreifen?
Meine älteste Tochter war in der zweiten Klasse, das ist nun schon 24 Jahre her, da lernte ich Brain Gym® kennen, eine der damals drei existierenden Kinesiologierichtungen. Sehr schnell faszinierte mich diese Methode des Stressabbaus, und ich fing an, zunächst nur im norddeutschen Raum, und dann ab 1999, bis auf eine Ausnahme, nur noch nach Kirchzarten zum IAK zu fahren, um dort meine Ausbildung als Kinesiologin zu machen.

Diese Faszination hat mich nie mehr losgelassen, im Gegenteil, sie wird immer intensiver.

Was ist Kinesiologie?
Kinesiologie kommt aus dem griechischen Kinesis und heißt die Lehre der Bewegung. Die Kinesiologen arbeiten mit dem Muskeltest, der hier kein Muskelfunktionstest, sondern ein Biofeedbacksystem darstellt, das darüber Auskunft gibt, inwieweit Stress in dem System Körper, Geist und Seele vorhanden ist. Schaltet der Muskeltest an, als gibt der Muskel nicht nach, dann ist in dem Moment kein Stress vorhanden, schaltet er ab, also gibt er nach, wird eine Imbalance sichtbar, die dann über verschiedene Korrekturtechniken wieder in die Balance gebracht wird. Deshalb balancieren wir auch und behandeln nicht. Wir bringen ein energetisches Ungleichgewicht wieder in die Balance. Das ist Kinesiologie – mehr nicht.

Sie existiert in diesem Jahr seit genau 50 Jahren und demzufolge haben sich ganz viele verschiedene Kinesiologierichtungen entwickelt. Denn Kinesiologie ist genauso wie Medizin nur ein Oberbegriff, bei dem man genauso nachfragen muss – und welche Richtung vertreten Sie? Das Einzige, das alle Kinesiologen wirklich gemeinsam haben, ist ihr Handwerkszeug – der Muskeltest!

Die Richtung, die ich anwende, nennt sich neuroenergetische Kinesiologie. Diese basiert auf den neuesten Hirnforschungsergebnissen und wurde entwickelt von Hugo Tobar, der auf den Arbeiten seines Lehrers Dr. Charles Krebs aufbaute. In der Form, wie ich damit arbeite, existiert sie erst seit ca. zehn Jahren und entwickelt sich rasant weiter, so dass ich ständig auf Fortbildungen bin.

Wie würden Sie Ihre Arbeitsphilosophie beschreiben?
Hilfe zur Selbsthilfe!

Neuroenergetische Kinesiologie und Reflexintegration bilden Ihren Arbeitsschwerpunkt Können Sie uns die Neuroenergetische Kinesiologie etwas genauer vorstellen? Was bedeutet Reflexintegration?
Die Neuroenergetische Kinesiologie arbeitet mit energetischen Signaturen, die folgendermaßen zustande kommen: die Hände berühren in verschiedenen Haltungen Akkupunkturpunkte, womit wir dann z. B. die unterschiedlichsten Gehirnareale adressieren und dann über den Muskeltest ermitteln, ob sich Stress zeigt oder nicht. Wenn Stress anzeigt, wird dieser über das Halten der vorher ausgetesteten Akupunkturpunkte herunter geladen.

Als Bild kann man sagen, der Klient fängt an, die Steine, Äste und Blätter aus einem Flusslauf heraus zu räumen, damit das Wasser nicht mehr zu stark mäandert, sondern ruhig im Flussbett fließen kann.

Reflexe sind unbewusste motorische Reaktionen, die zuvor durch einen Stimulus – sei es visuell, auditiv, taktil oder vestibulär – ausgelöst wurden.

Reflexe sind im ersten Lebensjahr überlebensnotwendig, denn fehlt der Such- Saug- und Schluckreflex, würden wir verhungern. Bis zum 6. Lebensmonat sollten der Such und Saugreflex vollständig integriert sein, der Schluckreflex bleibt natürlich weiterhin bestehen.

Integration bedeutet nun, dass wenn man nach dem sechsten Lebensmonat die Lippen oder um den Mundbereich herum streichelt, sich der Mund nicht automatisch öffnet und das Kind die „Futterquelle“ sucht. Ist das auch nur im Geringsten zu beobachten, heißt das, dass zumindest dieser Reflex nicht ausreichend integrierte. Später, d.h. im Laufe der Entwicklung bis zum Erwachsenenalter hin, kann man dann einen fehlenden Mundschluss beobachten.

Die Folge sind Logopädiebesuche und u. U. eine Kiefernorthopädische Korrektur. Weiter erzählen mir manche, dass sie es kaum aushalten können „federnde“ Küsse zu ertragen, es muss bei dieser wunderbaren „Tätigkeit“ immer Druck ausgeübt werden. Vor kurzem habe ich einen Vortrag vor Physiotherapeuten gehalten, die wissen wollten, woran man denn nicht integrierte Reflexe erkenne könne.

Hier ein Beispiel: Ein vor der Körpermittellinie vorgeschobener Kopf (Geierhals) und Hohlkreuz sind Folgen von nicht integrierten Reflexen.

Ich kann an den Haltungen genau erkennen, egal wie alt derjenige ist, welche Reflexe nicht gut integriert sind und dann durch die Methoden, die ich zur Verfügung habe, den Menschen helfen, dass diese nachträglich langsam integrieren.

Wo sehen Sie die besonderen Stärken der Neuro-energetische Kinesiologie? Welche Beschwerden, Probleme oder Anliegen können hiermit besonders gut angegangen werden?
Da man mittlerweile weiß, wie wichtig ein gut „funktionierendes Gehirn” ist, kann man mit der Neuronergetischen Kinesiologie vor allem bei Lernproblemen sehr gute Ergebnisse erzielen.

Da ich sehr gerne strukturell arbeite, daher meine Affinität zur Reflexintegration, kommen auch viele mit den unterschiedlichsten Schmerzsymptomatiken zu mir. Bei Rückenschmerzen, Hals- und Nackenproblemen oder Hüftproblemen kann man mit dieser Methode viel erreichen.

Können Sie vielleicht an einem Beispielfall verdeutlichen wie sich eine Behandlung mit neuroenergetischer Kinesiologie auswirken kann bzw. wie sich eine erfolgreiche Reflexintegration bemerkbar macht?
Die sogenannte ADHS Symptomatik ist Ausdruck von nicht integrierten Reflexen, insbesondere des Furcht-Lähmungsreflexes und Moro-Reflexes. Beide haben viel mit Angstzuständen zu tun. Ein nicht physiologischer Muskeltonus, sei er hyperton oder hypoton, hängt mit dem tonischen Labyrinthreflex zusammen. Fängt man nun an, an diesen Reflexen kinesiologisch zu arbeiten, was wohlgemerkt ein Prozess ist, werden die Symptome weniger, bis dass sie u. U. verschwinden. Denn der neurologische Ursprung der Reflexe sitzt im Hirnstamm, den wir mit der neuronenergetischen Kinesiologie sehr gut erreichen können.

Wie gestaltet sich ein Behandlungstermin wenn ich zu Ihnen in die Praxis komme? Was erwartet mich?
Bei der telefonischen Terminvereinbarung frage ich natürlich sofort, welche Symptomatik der Klient hat. Danach entscheide ich, ob ich sofort die richtige Ansprechpartnerin bin, oder ob ich ihn zunächst zu einem anderen Therapeuten schicke. Ich arbeite mit einem guten Netzwerk bestehend aus Ärzten, Physiotherapeuten, Ostheopathen und Hebammen zusammen.

Wenn dann der Klient da ist, lasse ich ihn erzählen. Wenn es Kinder sind, habe ich vorher am Telefon alles Wesentliche mit den Eltern besprochen, um dann genau zu erklären, wie ich arbeite. Sehr wichtig ist für mich, dass ich vom ersten Termin an immer wieder die Stärken, die derjenige hat, betone, um dann entspannter in die kinesiologische Sitzung gehen zu können.

Dabei liegt der Klient dann auf der Liege, und ich arbeite dann weitestgehend nonverbal, indem ich über die energetischen Signaturen den Stress ermittle und abbaue.

Nach einer Balance bekomme ich immer wieder gesagt, dass sich das Körpergefühl wohltuend verändert hat und die Sinneswahrnehmung schärfer wird.

Weshalb haben Reflexe einen solch prägenden Einfluss auf unser Leben?
Reflexe entwickeln sich bereits intrauterin. Bereits während der Schwangerschaft üben die Föten die Bewegungsmuster ein, die, wenn die Reflexreaktionen integriert sind, die Grundlage für alle unsere späteren Bewegungsabläufe sind.

Je besser die Reflexe dann integriert sind, werden sie durch die Stimuli nicht mehr unbewusst gereizt, sondern die Bewegungen und Haltungen, die mit den jeweiligen Reflexen korrespondieren, können bewusst für eine bestimmte Zielsetzung, sei es gut Reiten, Tanzen oder Matheaufgaben lösen (Stifthaltung) eingesetzt werden. Man kann sagen, je besser die frühkindlichen Reflexe im ersten Lebensjahr integriert sind, desto leichter können wir unser Potential entfalten, unser Wohlbefinden und unser soziales Miteinander profitieren davon.

Sie haben auch ein Buch zum Thema veröffentlicht: “Kraftvoll! Reflexe prägen das Leben” und daraus einen Kurs zum Thema entwickelt. Hier vermitteln Sie ein Prinzip mit einer Methode, um nachträglich Reflexe zu integrieren – vom Kleinkind bis ins hohe Alter. Können Sie uns mehr zu diesem Prinzip und der Methode berichten?
Im Buch gebe ich einen Überblick über 25 Reflexe, wie sie ausgelöst werden, und welche Verhaltensweisen sich später zeigen können, wenn der entsprechende Reflex nicht integriert ist.

Im Kurs vermittle ich das Prinzip der Zentralen Koordination, wie diese bei JEDEM Menschen aussieht, wie man sie selber sehr schnell herstellen kann und zeige dann Übungen, wie diese zentrale Koordination auch dauerhaft erreicht werden kann. Denn nur aus der Mitte heraus denkend und handelnd, brauchen wir die wenigste Energie, um irgendetwas zu tun, bzw. zu erreichen.

Können Sie sich auch ein Leben ohne Kinesiologie vorstellen?
Nein, denn sie ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.

Was ist Ihnen wichtig im Umgang mit Ihren Klienten?
Eine wertschätzende und empathische Begegnung. Empathisch heißt mitfühlend und ist ein hochkognitiver Prozess, der im Frontallappen des Gehirn statt findet, dort wo der Mensch sein Verantwortungsgefühl, seine Handlungsplanung und die Kontrolle über seine Handlung hat.

Was lieben Sie besonders an Ihrer Arbeit?
Die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen, die aus der ganzen Bundesrepublik zu mir kommen und mich sogar aus dem Ausland für Vorträge anfragen.

Ihr Lebensmotto in einem Satz?
“Wenn Sie so denken, wie Sie immer gedacht haben, werden Sie so handeln, wie Sie immer gehandelt haben. Wenn Sie so handeln, wie Sie immer gehandelt haben, werden Sie das bewirken, was Sie immer bewirkt haben.” – Albert Einstein

Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview.